Am 10. September 2025 fand in Krofdorf-Gleiberg eine Veranstaltung des Bürgerforums Energiewende Hessen zum möglichen Bau eines Windparks auf Wettenberger Gemarkung statt. Ich war selbst vor Ort und konnte mir ein Bild von den Abläufen machen. Nachfolgend eine Zusammenfassung, die auf meinen Eindrücken und den vorliegenden Unterlagen basiert.
1. Bürgerbeteiligung und Transparenz
Die Veranstaltung sollte eigentlich Aufklärung bringen. Vor Ort entstand jedoch der Eindruck, dass Diskussionen stark eingegrenzt waren. Mikrofone wurden Bürgerinnen und Bürgern regelrecht abgenommen, wenn die Fragen den Verantwortlichen nicht passten. Man musste buchstäblich den Mikrofonen hinterherrennen, um überhaupt Gehör zu finden. Außerdem wurde nur beiläufig erwähnt, dass bereits Projektierer Kontakt zur Gemeinde aufgenommen hatten. Dies hätte jedoch transparent und offen dargelegt werden müssen.
Die gesamte Atmosphäre wirkte weniger wie eine neutrale Informationsveranstaltung, sondern mehr wie ein Versuch, Zustimmung und Begeisterung zu erzeugen. Bürgerinnen und Bürger konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es fast wie ein Verkaufsangebot wirkte: „Jetzt einsteigen, jetzt bauen, retten Sie den Wald und das Klima.“ Solche Inszenierungen erwecken eher den Eindruck einer Werbeveranstaltung als einer sachlichen Aufklärung.
Noch befremdlicher waren Aussagen wie jene, dass „der Wald sowieso nicht mehr da sein wird, wenn wir keine Windräder bauen“. Solche Zuspitzungen sind keine ausgewogene Information, sondern emotionale Appelle, die Druck aufbauen. Sie werfen grundlegende Fragen auf: Welche Glaubwürdigkeit haben Gutachten und Fachvorträge, wenn sie mit solchen Botschaften verknüpft werden? Dient die Veranstaltung wirklich der Information oder eher der Beeinflussung? Soll Bürgerbeteiligung so aussehen, dass kritische Fragen unterbunden und Zustimmungssignale verstärkt werden?
2. Auffälligkeiten in den Standortbewertungen
In den Unterlagen werden mehrere Flächen bewertet. Auffällig ist, dass:
- Fläche C trotz eines bekannten Rotmilanhorsts als relativ unproblematisch dargestellt wird.
- Flächen D/E trotz dokumentierter Kammmolch-Vorkommen und geschützter Quellen als möglich beschrieben sind.
- Bei allen Flächen Fledermausaktivität festgestellt wurde, darunter streng geschützte Arten wie Mopsfledermaus oder Bechsteinfledermaus.
Diese Punkte sind artenschutzrechtlich hoch relevant und bergen Konfliktpotenzial.
3. Erfassungszeiträume
Die Gutachten zeigen, dass Erfassungen teilweise außerhalb der Hauptsaison stattfanden. Rotmilanhorste wurden im Dezember kontrolliert, nicht während der Brutzeit. Amphibien wurden nicht zur Laichzeit untersucht. Fledermäuse wurden nur in einzelnen Zeitblöcken zwischen Mai und September erfasst. Dadurch wurden viele Arten lediglich als „potenziell“ geführt. Fachlich führt das zu einer Unterschätzung der Risiken.
4. Wirtschaftlichkeit und Risiken
Bislang liegt keine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung speziell für Wettenberg vor. Die ermittelten Windgeschwindigkeiten mit 6,1–6,3 m/s sind grenzwertig. Zudem stehen mögliche Finanzierungsmodelle mit Nachrangdarlehen im Raum, die im Fall von Problemen erhebliche Risiken für den Gemeindehaushalt bergen.
5. Risiken bei Projektierung und Betrieb
Im Falle einer Insolvenz eines Projektierers oder Betreibers drohen Stillstand der Anlagen, Rückbauprobleme oder finanzielle Verluste. Unklare Rückbauverpflichtungen könnten im Ernstfall die Gemeinde belasten.
Fazit
Nach meiner Teilnahme an der Veranstaltung und Durchsicht der Unterlagen bleibt der Eindruck, dass es erhebliche offene Fragen gibt – sowohl im Bereich Artenschutz als auch bei der Wirtschaftlichkeit und der finanziellen Absicherung. Konflikte wurden heruntergespielt und wichtige Informationen nicht frühzeitig offengelegt.
Es stellt sich die Frage: Warum wird Bürgerbeteiligung so organisiert, dass kritische Stimmen behindert werden? Warum treten Fachleute mit emotionalen Appellen auf, anstatt nüchterne Informationen vorzulegen? Und weshalb werden zentrale Fakten wie die bereits erfolgte Kontaktaufnahme durch Projektierer nur am Rande erwähnt?
Aus meiner Sicht ist es notwendig, vollständige Artenschutzkartierungen, belastbare Wirtschaftlichkeitsprüfungen und klare vertragliche Sicherheiten vorzulegen. Nur auf dieser Basis kann eine Entscheidung getroffen werden, die rechtlich tragfähig ist und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger verdient.