Mitte Mai 2026 hat Bürgermeister Marc Nees (parteilos) im Gemeindeparlament die schwere Wahrheit ausgesprochen: Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer werden 2026 rund 1,5 Mio € niedriger liegen als geplant. Zusammen mit dem ordentlichen Fehlbedarf von 1,2 Mio € droht ein Gesamtfehlbedarf von ca. 2,7 Mio € — ein Nachtragshaushalt im dritten Quartal scheint unvermeidlich.
Der Landkreis Gießen als Aufsichtsbehörde hat den Haushalt 2026 zwar genehmigt, aber mit klaren Auflagen: „Investitionsvorhaben sind kritisch auf ihre Notwendigkeit und deren Folgebelastungen hin zu überprüfen." Im kommenden Jahr droht ein Haushaltssicherungskonzept.
Bestandsblick (Bertelsmann): 637 € Kernhaushaltsschulden je Einwohner — auf den ersten Blick moderat. Aber die Investitionskredite sind gegenüber dem Vorjahr um +24,5 % gestiegen. Die Pro-Kopf-Verschuldung im Plan wächst laut Koalitionsvertrag in dieser Wahlperiode in Richtung 2.000 €/EW. Die Uhr läuft schneller.
Zinslast explodiert: 2024 lag der Zinsaufwand bei rund 200.000 €. 2028 wird er bei einer ganzen Million liegen. Bürgermeister Nees: „Dieses Geld wird uns für Zukunftsinvestitionen fehlen."
Mythos „20-Millionen-Rücklage": Der Bürgermeister hat in derselben Sitzung Behauptungen in Sozialen Medien zurückgewiesen, die Gemeinde verfüge über Rücklagen von 20 Mio €. Diese würden „nur buchhalterisch existieren" und seien zum weitaus größten Teil gebunden durch Gebäude, Straßen oder Infrastruktur.
Vor uns: Freibad-Sanierung mit „hohem einstelligen Millionenbetrag" (CDU-Fraktionschefin Anuschka Gerlach) und Feuerwehr-Neubau Augarten für ca. 10 Mio €. Deshalb steht der Kita-Neubau Pfiffikus auf dem Prüfstand — nicht aus Prinzip, sondern aus arithmetischer Notwendigkeit.
Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung — die wichtigsten Kennzahlen für Wettenberg auf einen Blick. Stand 2023, abgerufen Mai 2026.